In einer GMP-News vom 21. Januar 2010 hatten wir auf ein Question and Answer-Papier der FDA hingewiesen. Eine Frage in diesem Papier lautete, ob laut CGMP die Fertigung von 3 erfolgreichen Prozessvalidierungs-Chargen notwendig ist, bevor ein neuer Wirkstoff oder ein neues Arzneimittel zur Vermarktung freigegeben wird. Die Antwort der FDA lautet: Nein Sehr interessant ist aber die entsprechende Begründung. Weder die CGMP-Regeln bzw. ICH Q7 noch eine FDA-Policy gibt eine Mindestzahl an Läufen vor, um die Validität eines Prozesses nachweisen zu können. Die FDA sieht eine Reduktion auf 3 Läufe als zu einfach an, um damit Validität beweisen zu können. Gleichwohl gibt sie zu, dass die Idee der 3 Läufe weitverbreitet ist - und teilweise auch aus ihren eigenen Guidance-Dokumenten stammt. Jedoch sieht sie sich aktuell in einer aufklärenden Phase bezüglich Ihren derzeitigen Erwartungen. Insofern weißt die FDA darauf hin, dass die Betonung heutzutage auf dem Prozessdesign und den Entwicklungsstudien liegen, die dann reproduzierbar auf den Produktionsmaßstab übertragen werden sollen. Wobei dieses Ziel eigentlich schon immer erwartet wurde. Die Anzahl der "conformance" (auch bekannt als "validation") "batches" soll wissensbasiert erfolgen. In der Antwort wird auch auf einen Compliance Policy Guide (490.100) aus dem Jahre 2004 zum Thema Prozessvalidierung hingewiesen und in diesem Zusammenhang die Möglichkeit einer concurrent validation angesprochen (normalerweise wird allerdings eine prospektive Validierung erwartet). Allerdings wird auf umfangreichere Tests in dieser "short supply situation" hingewiesen, die auch im Validierungsplan aufgeführt sein sollten. Zusätzlich könnte ein umfangreicherer ("enhanced") Probenzug und ggf. das Prüfen zusätzlicher Attribute das Vertrauen in den Wirkstoffherstellungs-Prozess erhöhen. Für die Analytik werden validierte Methoden gefordert. Weiterhin erwartet die FDA ein "validation protocol", das ein Review und einen finalen Bericht nach der Fertigung von "multiplen" Chargen enthalten soll, auch wenn die frühen Chargen schon vertrieben wurden. Das klingt ein wenig merkwürdig. Wahrscheinlich ist damit gemeint, dass ein review und ein Bericht im Plan schon vorzusehen sind, in dem dann die abschließende Bewertung erfolgt. Das ist natürlich sinnvoll. Fazit: Die Antwort auf die Frage nach der Notwendigkeit von 3 erfolgreich hergestellten Validierungschargen als Grundlage des Vertriebs eines neuen Wirkstoffes oder Arzneimittels lautet: Nein. Obwohl die neue FDA Draft Guidance zur Prozessvalidierung in den Referenzen nicht erwähnt wird, zielt die Antwort genau auf diese ab. Die Anzahl der Läufe soll wissensbasiert erfolgen, um die Übertragung des Prozessdesigns und der Entwicklungstudien auf den kommerziellen Maßstab zeigen zu können. Auffallend ist die beispielhafte Nennung einer "concurrent validation" und die etwas irritierende Nennung eines Reviews und Berichtes in einem "validation protocol". Das gesamte Dokument finden Sie hier. Aus aktuellem Anlass organisiert Concept Heidelberg für die European Complance Academy am 8./9. Juni 2010 in Prag die Veranstaltung "The new FDA/EU Approach to Validation". Bei dieser Veranstaltung wird ganz explizit auf den neuen Validierungsansatz der FDA eingegangen. Und ein EU-Inpektor erläutert die neue Sichtweise bezüglich Prozessvalidierung in Europa. Autor: Sven Pommeranz CONCEPT HEIDELBERG Quelle: FDA Webpage, Questions and Answers on Current Good Manufacturing Practices, Good Guidance Practices, Level 2 |