Die ICH hat mit dem Dokument ICH Q9 "Quality Risk Management"
eine Guideline publiziert, die in den USA (FDA), Europa (EMEA) und Japan
(MHLW) gleichermaßen umzusetzen ist.
Dabei tauchen aber eine Vielzahl von Umsetzungsfragen auf, so z.B. im
Bereich Qualifizierung und Validierung. In dieser GMP-News kommentieren
wir ein ISPE White Paper, welches in 2005 als Revision 2 veröffentlicht
wurde. Darin sind Hinweise zu finden, wie eine risikobasierende
Qualifizierung erfolgen kann.
Die ISPE hat 2001 ihre Baseline zu Commissioning and Qualification
(C&Q-Guide) veröffentlicht. Mit dieser Baseline führte die ISPE ein
Impact Assessment als Risikobewertung ein.
Dennoch müssen weitere Aspekte berücksichtigt werden. Hier stetzt das
White Paper "Risk-Based Qualification for the 21st Century" an. Unter
anderem sind folgende Punkte in dem Dokument genannt:
- Immer noch sehr umfangreiche OQ-Testpläne
- Designmängel bei Geräten
- Wie geht man mit der Qualifizierung von PAT-Systemen um?
Mit dem risk-based-Approach der FDA besteht die Notwendigkeit, den C&Q-Guide anzupassen. Dazu ist es insbesondere erforderlich, den
eigentlichen Prozess stärker in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Mit einem
"risk management" sollen wirklich nur die Tests ermittelt
werden, die den Einfluss auf die Produktqualität überprüfen. Deshalb
sollen die Qualifizierungsstufen IQ und OQ schlanker gehalten werden (und
im Sinne von Good Engineering Practice abgeprüft werden), dafür aber
mehr Augenmerk auf die DQ und PQ gelegt werden.
PAT-Systeme sollen mit einem neuen Qualifizierungsansatz qualifiziert
werden, um eine zeiltich akzeptable und kostenangemessene Qualifzierung zu
erhalten.
Um diese Situation zu verbessern, wurde ein 10-Punkte-Plan benannt:
- Fokus auf die Produktqualität. Die Qualifizierungsaktivitäten
sollen die Produktqualität sicherstellen. Ausdrücklich werden hier
die "user requirements specifications" als wichtiges Element
genannt.
- "Requirements". "User requirements" sollen
prozessbasierend erstellt werden. Diese werden dann in der PQ
abgeprüft. Damit sind IQ und OQ von der Priorität nachgeordnet.
- "Risk assessments". Die Prozessentwicklung und ein
experimtelles Design sind die Schlüsselelemente, um die Kritikalität
von Funktionen und Parametern zu ermitteln.
- Nur die kritischen Prozessparameter sind die Basis für die
Qualifizierung
- Alle Aktivitäten müssen sinnvoll für den Prozess sein ("We
won't do anything just for the sake of regulatory compliance").
- "Risk based asset delivery". Die
Qualifizierungsaktivitäten sollten auf die Komplexizität der Anlagen
abgestimmt sein (keine Anwendung von "Kochbüchern").
Ausdrücklich wird hier die GAMP-Klassifizierung als Beispiel genannt.
- "Value Added Documents". Die Notwendigkeit von
Dokumentation wird ausdrücklich erwähnt aber, es sollten nur solche
Daten erhoben werden, die auch sinnvoll sind und nicht, um nur "
some imagined regulatory expectations" zu erfüllen.
- Anwendung von Lieferantendokumentation. Wenn möglich soll die
Lieferantendokumentation (Testpläne etc.) genutzt werden, wenn Sie
entsprechend bewertet wurde.
- Tests. Tests sollen in der Regel nur einmal durchgeführt werden.
Allerdings wird ausdrücklich erwähnt, dass PQ-Tests ggf.
zusätzliche Aktivitäten erfordern. Auch einige Test, die in frühen
Phasen der Entwicklung schon durchgeführt wurden, könnten eine
Wiederholung erfordern.
- Förderung von Innovationen. Die Flexibilität der
Qualifizierungsprogramme wird hier angemahnt, um neue Trends
implementieren zu können.
In dem Dokument wird der Wunsch geäußert, durch Normen, z.B. über
den ASTM, einen "consensus based standard" mit klaren
Erwartungen (und auch mit Angaben, was nicht erwartet wird!) zu
veröffentlichen.
Im Rahmen der Erstellung des "White Papers" wurden schon
aktuelle Problemstellungen durch die Autoren identifiziert. Auch diese
sind wieder in 10 Punkten zusammengefasst.
Genannt werden u. a. (Auszug)
- Wieviel Kontrolle ist gegenüber Dienstleistern notwendig, die
Qualifzierungsarbeiten durchführen?
- Mehr Klarheit darüber, was "user requirements" sind
- Wie geht man mit Altsystemen um?
- Klare Definition welche Dokumentation wirklich notwendig ist.
Als entscheidender Punkt, um Änderungen durchsetzen zu können, werden
signifikante organisatorische Änderungen in den Unternehmen angemahnt
(und dies könnte das größte Erfolgshindernis werden, wie die Autoren
schreiben). Die QA soll nicht mehr länger detailliert auf die einzelnen
IQ- und OQ-Tests und Pläne sehen. Statt dessen soll sie sich auf Risiken für die Produktqualität auf
Basis des Prozessverständnisses und einer Risikobetrachtung fokussieren
und deren Beherrschung durch eine umfassende PQ bestätigen.
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QV 15 Basiskurs
Risikoanalyse - Risk Assessment. U.a. wird das ISPE Impact Assessment am
Beispiel der Wirkstofffertigung erläutert. Die Veranstaltung findet am
26./27. Januar 2006 in Mannheim statt.
GMP-gerechte
Risikoanalyse bei der Computervalidierung (CV2), 30./31. März 2006,
Mannheim. GAMP 4 fordert im Rahmen der Validierungsplanung ein Risk
Assessment. Hierzu werden auf der Veranstaltung Methoden und Werkzeuge
vorgestellt.
Die aktuelle GMP-Konferenz
Risikomanagement-Konferenz – Risikomanagement gemäß ICH Q9, 23./24. Mai
2006 in Berlin. Im Rahmen der Konferenz werden Umsetzungsbeispiele für die
in ICH Q9 genannten Anwendungsfälle des Quality Risk Management von
Industriereferenten und einem Behördenvertreter erläutert.
Das aktuelle
GMP-Webinar "Risikomanagement"
Am 15. Februar 2006 kommentiert Dr. M. Hiob, GMP-Inspektor, Ministerium für
Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren des Landes
Schleswig-Holstein, die neue Guideline ICH Q9 "Quality Risk
Management" bei einem Online-Seminar.
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